LAWINENZEIT – ein tödliches Phänomen von Klaus Hoi,
Jänner/Februar 2026
Ein früher Winterbeginn ist der Start für eine LAWINENZEIT!!!
In den österreichischen Nordalpen, sowie in den Westalpen (Schweizer-und französische Alpen) gab es durch einen
frühen, polaren Kaltluftvorstoß bereits im September 2025 unter und über 2000 m Seehöhe einen überraschenden
Wintereinbruch. Weitere ergiebige Schneefälle blieben anfangs aus, aber die anhaltende und trockene Kälte ist
geblieben und wandelte die Schneedecke aufbauend um, d.h. grobkörnige Kristalle, Tiefenreif oder Schwimmschnee
genannt; wurden zum gravierenden Merkmal dieses Winters im gesamten Alpenraum. Damit waren die klimatischen
und physikalischen Bedingungen für eine „Lawinenzeit“ gegeben, welche mit den ersten größeren Schneefällen und
Verfrachtungen erwartet werden konnte.
Die negativen Folgen: eine angespannte Lawinensituation in den Alpen.
Im Wallis kam es bereits im Dezember 2025 zu kritischen Lawinensituationen und Abgängen.
In Frankreich Haute-Savoie (Courchevel, La Plagne) gab es am 11.Jänner 2026 fünf Lawinentote.
Ab 11.Jänner 2026 kam es in Österreichs Bergen zum ersehnten „Winter-Comeback“ mit anfangs noch wenig
Schneezuwachs, aber Verfrachtungen, welche die Gefahr für leicht auslösbare Schneebrett Lawinen auf dem
eingangs geschilderten labilen Schneeuntergrund schlagartig in die Höhe schnellen ließ.
In wenigen Tagen kam es zu hunderten Auslösungen, mit und ohne Personenbeteiligung. Bei sehr vielen Ereignissen
kam es nur zu Teilverschüttungen, da die Schneemengen noch nicht sehr groß waren. Bei Geländefallen und
Stauräumen genügten jedoch auch geringe Schneemengen für lebensgefährliche Verschüttungen. Innerhalb weniger
Tage 8 Lawinentote (13.Jänner Sportgastein-1 Toter, 17.Jänner im Pongau 5 Tote und Wölzer Tauern 3 Tote. )
In Westösterreich wurde intensiv gewarnt, von 11.-13.Jänner mit Warnstufe 4, dann wurde wieder auf 3
zurückgestuft.
Während Patrick Nairz in Tirol (nachzulesen: https://lawinen.report/blog/at-07-de/13184 ) vor der Gefährlichkeit einer
LAWINENZEIT warnt, spricht man in den übrigen Bundesländern von einem „Altschneeproblem“ und versucht die
Gefährlichkeit bei Stufe 3 plausibel zu machen.
Für eine Entwarnung war es aber noch zu früh, denn das „Altschneeproblem“, sprich Schwimmschneefundament,
war nach wie vor präsent und nicht zerstörbar. Mit den neuerlichen und intensiveren Niederschlägen ab 23.Februar
kam es zu einem nochmaligen Ansteigen der Lawinengefahr. Die Feriengäste in den gut besuchten Skigebieten
drängten unbeeindruckt von den Warnungen hinaus in den Tiefschnee. Es kam zu einer ununterbrochenen Serie von
Lawinenauslösungen, Unfällen und Bergrettungseinsätzen. An einem einzigen Tag, dem Aschermittwoch
(18.Februar), wurden über 30 Lawinenauslösungen, sowie 3 Todesopfer registriert. Bis 25.Februar zählte man laut
ÖKAS Presse Aussendung (https://alpinesicherheit.at/lawinenzeit-2026-pa/) 26 Lawinentote in Österreichs
Skibergen, teilweise beim Variantenfahren in der Nähe der Pisten. Die betroffenen Verursacher sind unerfahrene
Urlauber, es sind laut Meldungen auch sogenannte erfahrene Einheimische darunter.
Allesamt sind aber resistent gegenüber der intensiven Warnungen (Stufe 4 seit dem 18.Februar in Westösterreich)
durch die Warndienste und Medien.
Warum LAWINENZEIT?
Der Begriff „Lawinenzeit“ wurde von mir als Ausbildungsleiter der Österreichischen Berg-und Skiführer seit den
1980iger Jahren geprägt und in der lawinenkundlichen Fachausbildung gelehrt. Den angehenden Bergführern wurde
empfohlen, beim Zustandekommen der physikalischen und klimatischen Schneephänomenen, welche zum akuten
Gefahrenanstieg führen, die alpine Skitourentätigkeit einzustellen und als Ersatz Ausbildung anzubieten: Telemarkoder
Schneeschuhtouren, oder als Bergführer-Industriearbeiter, etwa auch Fensterputzen an den Hochhäusern von
Wien etc. anzunehmen. Es bleibt immer abzuwarten, wann und ob die Lawinenzeit beendet wird oder wie in diesem
Winter bis zum Saisonende im Frühjahr mit Gleitschnee-und Grundlawinenabgängen zu Ende gehen wird.
Es hat sehr lange gedauert, bis die obersten Gremien der Warndienste in Österreich sich mit dem Begriff
„Lawinenzeit“ auseinanderzusetzen begannen. Der Innsbrucker Lawinenforscher Dr. Peter Höller vom BFW und
Lehrbeauftragter der Universität Innsbruck, befasste sich mit dem Phänomen und bewies in einigen
Veröffentlichungen statistisch die Zusammenhänge von Lawinenzeit und Unfallgeschehen. Demnach fallen in den
Wintern mit diesem Phänomen (wie z.B. 1984 -1987, 1996, 2005, 2010, 2022 und 2023) der größere Teil der Unfälle
und Todesopfer in diese Zeitspanne. Ein defensives Verhalten mit Verzicht auf Geländefahrten und Skitouren würde
die Unfallzahlen beträchtlich senken.
„Die deutschsprachigen Lawinenwarndienste haben sich während ihrer vergangenen Tagung im Mai 2023 in
Vorarlberg darauf geeinigt, den Begriff „Lawinenzeit“ gezielt in ihr Vokabular aufzunehmen. Eine kommunizierte
Lawinenzeit soll genauso wie ein spezifisches Lawinenproblem ein Verhalten auslösen. Während einer Lawinenzeit
kann dies Verzicht oder extrem defensives Verhalten sein. Immerhin ließen sich dadurch während einer
verhältnismäßig sehr kurzen Zeit eines Winters etwa 25 % der tödlichen Lawinenunfälle vermeiden „ Patrick Nairz,
LWD Tirol
Aber Papier ist geduldig und trotz dieses Beschlusses verwendet nur der Tiroler Warndienst den Begriff
LAWINENZEIT:
Alle anderen Bundesländer arbeiten bei der warnenden Aufklärung noch immer mit den Begriffen
„Altschneeproblem“, sowie der Erklärung von Warnstufe 3 und warum diese die unfallträchtigste ist. Es gilt die
Empfehlung, nur mit genügend Erfahrung Touren im freien alpinen Raum zu unternehmen! Diese Warnungen sind
eindeutig zu wenig rigoros und nachdrücklich! Beim Eintreten des geschilderten Phänomens der „Lawinenzeit“ ist
nichts mehr möglich, auch nicht für den erfahrenen Profi-Bergführer. Die Erwartungen an eine erlebnisreiche Skitour
im Aufstieg-und Abfahrt sind nicht erfüllbar, die Möglichkeit von Fernauslösungen muss bedacht werden und bei
entsprechender Schneelage sind die Täler und Flachstücke nicht mehr sicher (zum Beweis gibt es genügend
Unfallbeispiele in der Vergangenheit).
Nachdem sich bereits zum jetzigen Zeitpunkt eine öffentliche Kritik und Diskussion über die Wirksamkeit der
Warnung und Zweifel an der Gefahreneinstufung durch die Warndienste der Bundesländer abzeichnet, sollte der
Begriff „Lawinenzeit“ als höchste Warnstufe in Betracht gezogen werden und der Warnstufe 3 und 4 übergeordnet
werden. Nachdem auch in Zukunft die klimatischen Bedingungen schneearme, kalte und damit gefährliche
Winterzeiträume erwarten lassen, wird ein Umdenken und Gesinnungswandel in der Warngesellschaft notwendig
sein. Nicht allein die Präzisierung der Warnungen ist das Ziel, sondern die Aufklärung der Skisportler über die
Ausnahmesituation und der tödlichen Gefahr bei einer LAWINENZEIT, wie sie im gesamten Alpenraum bisher kaum
zu verzeichnen war. Diese Einsicht und Gefahrenakzeptanz, sowie eigenverantwortlicher Verzicht auf Aktivitäten im
freien Skiraum können die Lösung sein.




















Die Sodamin Drillinge 




