AMA DABLAM, 6856m am 28.10.2014 erfolgreich bestiegen.


By Administrator - Posted on 31 Oktober 2014

 

Liebe Bergfreunde,

Trotz meiner Widrigkeiten gelang es mir diesen Traumberg bei perfekten Bedingungen am 28.Oktober zu besteigen. Leider waren in dieser Zeit 3 Tote zu beklagen, ebenso Verletzte u. Bergsteiger mit Erfrierungen.

Mein herzliches Beileid gilt den Angehörigen.

Mein Bericht und Tagebuch von Paul Sodamin

und Fotos "News" in der Fotogalerie

 

Paul Sodamin :   Ama DABLAM –Aufgeben oder Gipfelsieg?– mein Tagebuch  

 

Die Ama Dablam ist 6856 Meter hoch und liegt in der Khumbu-Region des Himalaya.

Er wird auch das „Matterhorn Nepals“ bezeichnet und gilt als einer der schönsten Berge der Erde –Im Sanskrit bedeutet Ama Dablam: „Mutter und ihre Halskette“).

Die Besteigung eines 8000er mit Schi oder die Ama Dablam -  

diese Ziele kreisten schon länger in meinem Kopf umher. Ich entschied mich für die Ama Dablam als alpinistische Herausforderung.

Vor 4 Jahren war ich mit Skiern alleine am Dhaulagirie VII ( 7256m )und schon damals wusste ich: Ich werde zurück nach Nepal kommen.

Leider wurde meine Vorfreude durch eine längere Verletzungspause gebremst, aber ein Aufgeben gab es für mich als Bergsteiger nicht.

Vielleicht habe ich mein Durchhaltevermögen in meiner Kindheit gelernt: neun Geschwister, arm und ohne Vater aufgewachsen. 

Zuerst wollte ich diese Expedition selbst führen, davon wurde mir abgeraten. Dann wollte ich alleine mit einem Sherpa auf den Berg, schließlich kaufte ich mich 29 Tage zuvor bei einer Internationen Expedition ein.

Nach der 3-wöchigen Ruhepause wegen einer Grippe wurde der Start besonders spannend und 1 Tag vor dem Abflug musste ich entscheiden: Absage oder nicht?   Mein Freund und Arzt Bernhard aus Bad Ischl gab mir 5 min vor 12Uhr  das Okay.

Und so flog ich am 09. November von München nach Kathmandu.

Im Hotel war ich noch immer nicht fit, in der Nacht schweißgebadet  traf ich am nächsten Tag das TEAM: Amerikaner, Australier, Kanadier, Israelis, Endländer, Pakistani, den Schweizer Chrigl, den Deutschen Anselm und den Österreicher Alfons, mit dem ich schon vorher Kontakt aufgenommen hatte. Er war auch dann ausschlaggebend, dass ich dabei war.

Nach dem Ausrüstungscheck durch einen englischen Leader ging es am 12.Oktober los:Flug mit einer Sita Air von Kathmandu nach Lukla.

Von dort ging es noch weiter ca. 2 Stunden zur 1.Lodge nach  Phakding, wo wir nächtigten. Die weiteren Etappen waren Namche Bazar, wo es 2 Tage schüttete.

In den Bergen fiel viel Schnee und es gab leider viele Tote im Annapurna Gebiet.

Über das Kloster Tenpoche ging  es zur Nächtigung in Pangboche, das schon auf 3930 Seehöhe liegt.

Und immer wieder faszinierte mich der Anblick der tiefverschneiten Ama Dablam. Wir begegneten auch rein zufällig Bergsteigern aus Tegernsee, die auch die Ama Dablam besteigen wollten.

Am 16.Oktober wurde das Ama Dablam Basislager in 4600 m Höhe erreicht. Im Basiscamp (BC) waren viele Expeditionen, aber keine war noch am Gipfel.

Jeder Teilnehmer bekam ein Zelt, das er sich so einrichtete, so gut es eben ging. Die erste Nacht war sehr kalt.

Am nächsten Morgen die erste Akklimatisierungstour zum 5400m,

Advanced Basecamp. (ABCamp)

Mein Schritt war bewusst immer langsamer als der, der anderen und das war das Richtige. Das hat mir mein Freund Robert aus Bad Goisern per SMS noch geschrieben, der schon alle Seven Summits  bestiegen hat.

Am 18.Oktober war ich wieder angeschlagen, Schnupfen, Husten, Kopfweh und  Druck in den Stirnhöhlen.

Die Nacht war alles andere als gut. Ich überlegte sogar die Expedition abzubrechen und heimzufahren, doch mein Wille zum Gipfelsieg war stärker.

Kein Aufstieg ohne die Puja-Zeremonie:

2 Mönche saßen vor einem Altar aus Geröllstein und wippten mit dem Oberkörper vor und zurück, übertrugen die Zeichen ihres Gebetsbuches in einen monotonen Gesang. Vor ihnen lagen Mehl, Reis, Süßigkeiten, Whisky und Cola –Tee. Die Opfergaben sollten die buddhistischen Götter milde stimmen und einem Expeditionsteam die sichere Besteigung des Berges ermöglichen.

Die Mönche verstreuten Reis, ebenso auch jeder Gipfelaspirant.

Danach bekam Jeder von uns  einen Kata um den Hals gelegt (Glücksschal), dazu  Süßigkeiten sowie Whisky und Tee.

Ohne die Puja-Zeremonie setzt kein Sherpa auch nur einen Fuß auf den Berg; das hieße nämlich die Götter herauszufordern. Und ohne die Hilfe der Sherpa wiederum kommt keine Expedition aus.

Da ich mich am BC nicht erholte, stieg ich am nächsten Tag nach Pangboche ab. In einem kleinen Laden zeigte ich dem Verkäufer, was ich hatte, er nickte und gab mir Tabletten.

Vor lauter Verzweiflung nahm ich gleich mehrere PACKUNGEN mit. Ich schluckte 2 Tabletten und trank am Abend dazu ca.10 Ingwertee.

Die Nacht war besser, aber ich konnte nicht schlafen, die Tabletten peitschten auf. So schrieb ich SMS unter der Decke nach Hause.

Am nächsten Morgen begann ich meinen nächsten Versuch hinauf zum BC. Mein Schritt war sehr langsam, denn ich fühlte mich immer noch nicht  fit.

Oben am BC angekommen war ich alleine. Alle waren bereits zum ABCamp, zum Lager I und einige schon zum Lager II unterwegs, um sich zu akklimatisieren.

Ich trank viel Tee mit Honig. Im BC  war nachmittags große Aufregung.  Ein Bergsteiger soll durch Seilriss AM GRAUEN TURM  abgestürzt sein. Am nächsten Tag  wurde der Tote mittels Longline „ hängend“ zum BC geflogen.- ein makabrer Anblick und für uns ein Ruhetag als Tag der Besinnung. Unser Team wurde deshalb um 4 Personen kleiner.

Am nächsten Tag wanderte ich auf 5000 m und langsam wieder retour zum Base Camp.

Am 23.Oktober stieg ich dann alleine von Base Camp zum ABCamp auf 5400 m, nächtigte dort und am nächsten Tag ging es weiter zum Lager I in 5800 m Höhe.

Dort hatten die Sherpas ein Küchenzelt aufgebaut, wo ich Tee und eine Suppe bekam. Danach stieg ich wieder zum BC ab. Es ging mir endlich besser. Kurz vor dem BC kam mir das Team entgegen und teilte mir mit:

„Das Wetter sollte schlechter werden!“

Deshalb waren sie auf dem Weg zum ABCamp um dort zu nächtigen. Anschließend wollten sie zum Lager 1 aufsteigen um eine Nacht zu bleiben und am nächsten Tag zum Lager 2 zu gelangen. Nach einer weiteren Nacht war der Plan auf den Gipfel zu gehen.

Meine Laune war im Keller, kein Aufstieg, keine Infos und ich beim Abstieg zum BC, trostlos für mich.

In meiner Enttäuschung überlegte ich, die Expedition abzubrechen. Was sollte ich alleine erreichen?

Unten am BC machte ich Körperpflege, sogar mit Haarwäsche.  Dann verkroch ich mich aber gleich im Schafsack. Es war bitterkalt.

Die Nacht schlief ich trotz dieses Ärgers gut, die Tabletten brauchte ich nicht mehr.

Am 25.Oktober nahm ich meinen Rucksack und wanderte wieder alleine

hinauf zum Lager 1. Dort kam mir Andreas aus Bayern entgegen, der wegen Höhenprobleme abgebrochen hatte.

Im Lager 1 traf ich das Team und legte mich mit einer Magenverstimmung demotiviert ins Zelt, zu Chrigl.

Draußen schneite es stark und das Austreten war spannend und gefährlich, rund um das Zelt alles Abgrund……

Erst  gegen 2 Uhr früh schlief ich ein, die Steine spürte man  überall im Rücken. Unbequemer ging es nicht mehr.

Mir war auf einmal sehr warm, ich war unruhig. Hatte ich Angst im Schlafsack? Daunensocken ausziehen, Schlafsack öffnen und Nachtruhe!!

5 Uhr früh: Ich wurde wach und spürte meine Füße nicht mehr! 

Saukälte im Zelt, das Getränk  war gefroren.

Ich massierte eilig meine Füße und hatte Angst vor schweren Erfrierungen  und war am Anfang sehr nervös, dann bekam ich heißes Wasser in einer Trinkflache. Es war herrlich, meine Füße im Schlafsack zu wärmen.

Ich war froh, dass der Schnee kam, denn heute hätte ich unmöglich zum Lager II, aufsteigen können. Ich war zu schwach für den Aufstieg, eine Magenverstimmung und Durchfall hatten ihre Wirkung gezeigt. Meine Tabletten halfen, der Tag wurde herrlich, die folgende  Nacht im Zelt war wieder eine Quälerei.

Am nächsten Morgen  ging es  weiter zum Lager II.  6100 m, das sehr ausgesetzt auf einem Felsgrat liegt. Unsere Gruppe bestand aus Alfons, Chrigl, Anselm, Kevin und Pamela.

Auf dem Weg hinauf trafen wir Sepp aus Bayern. Wir wollten ihm gratulieren. Aber er  hatte sich seine Hand gefroren, alle  Finger schwarz.

Wir wählten die sogenannte Normalroute, die über den Südwestgrat verläuft, ist mit den Schwierigkeitsgraden II-V, an zwei Stellen VI, keineswegs einfach (trotz der Fixseile). Man spürte gewaltig den Sauerstoffmangel! Keuchend kletterte ich hoch. Das Herz klopfte gewaltig.

Trotzdem verspürte ich ein Glücksgefühl, herrlicher Fels und eine imposante Umgebung. Es begann wieder zu schneien, während wir bei der Schlüsselstelle am gelben Turm warteten.

Dort kamen uns die anderen entgegen. Ein kurzes Gespräch und die traurige Mitteilung:  Christoph liegt tot am Weg zum Lager II.

Ich wurde nachdenklich, als wir unseren toten Kameraden Christoph am Wegrand liegen sahen.

Als langjähriger Flugretter habe ich viele Tote und Schwerverletzte geborgen, aber hier ein Bergkamerad, mit dem wir noch einige Tage zuvor zusammen waren.

Das Lager II war auf einem schmalen Grat ausgesetzt, 8 Zelte sehen dort wie ein Adlerhorst aus. Austreten in der Nacht bedeutete Absturzgefahr, Steigeisen waren obligat.

Die Nacht war kurz und  unser Sherpa Karmar kochte für uns Tee und  Suppe und Nudeln. Mein Freund Chrigl erbrach im Zelt damit war unser mein Appetit auf ein Frühstück vorbei.

Das Anziehen im Zelt um 4 Uhr morgens war mühsam, die Nacht war klar und kalt, minus 20 ° mit tausenden Sternen am Himmel.

Ich ging wieder ganz langsam weg, ließ bewusst den Abstand etwas größer werden, um mir mehr Sicherheit und „Kraft“ zu geben.

Und dann kamen sehr steile Schnee- und Eisflanken (60°- 80 °), zum Teil auch kurze senkrechte Passagen. Hier war ganze Konzentration gefragt.

Beim Erreichen des kritischen Mushroomgrates wurde es hell, da erkannte man erst  die ganze Steilheit des Berges.

Das Wetter war jetzt ideal, herrliche Sicht und kaum Wind, das stärkte mein Selbstbewusstsein. Unter dem gewaltigen  Eisbruch-Serac machten wir Rast. Das war die einzige ebene Fläche, wo wir trinken und essen konnten. Kevin, Pamela und Chrigl gaben hier auf und kehrten um.

Alfons, Amsel und ich-unser Ziel war klar- weiter zum Gipfel!

Langsam gehen, nur langsam gehen und die kalte Luft durch das Tuch vor dem Mund ruhig atmen!

Und oben bei den Seracs eine neue Hürde: sehr steile Grate, teilweise senkrecht, aber es ging Schritt für Schritt nach oben.

Der  45-50 ° steile Gipfelgrat  kam mir endlos vor, für mich besonders „zach“, spürte ich jetzt doch meine versäumte  Akklimatisationsphase.

Und dann erreichten wir mit unseren 2 Sherpas den Gipfel der Ama Dablam: ein Glücksgefühl.

Mit Tränen in den Augen, stolz und ehrfürchtig, mit Gedanken an meine Familie, war ich dankbar, als Bergsteiger auf einem der schönsten Berge der Welt stehen zu dürfen.

Trotz der widrigen Umstände, die mich bei dieser Expedition begleiteten, bedeutete der Gipfelsieg für mich, umso mehr ein unbeschreibliches Erlebnis.

Das Gipfelplateau ist fast eben, was man von unten nicht vermuten würde.

Nach den Fotoshooting machten wir uns bereit zum Abstieg.

Der Abstieg zum Lager II ging zügig voran, die Abseilmanöver

waren zum Teil „ bedenklich“, am besten nicht nachdenken, nur hinunter.

Im Basis Camp gönnte ich mir eine totale Körperpflege, verkroch mich aber danach gleich im Schlafsack, schnell einen Whisky zur Feier des Tages, dann vor Freude und Glück schlafen, schlafen …

Am nächsten Morgen erfolgte der Abstieg, die Nächtigung in Namche Bazar und in Lukla, anschließend der Flug nach Kathmandu und am 5.November ging es retour nach Österreich.

Zu Hause erreichte mich noch eine traurige Info:

Die Schweizer Gruppe versuchte den Aufstieg noch ein zweites Mal.

Unter dem Eisbruch ( Seracs ) stürzten Schneemassen und Eisblöcke auf die Seilschaft, der Sherpa war tot, die beiden Schweizer und ein Engländer schwer verletzt.

Und nachdenklich sagte ich zu mir:

Zu bergsteigerischem Geschick gehört auch Glück dazu – und davon habe ich in meinem Rucksack sehr viel mit auf dem Weg gehabt…………….

 

Liebe Grüße Paul  

 

 

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