Lawineneinsatz in Oppenberg am 09.02.2014


Nachfolgend ein Bericht des Österreichischer Bergrettungsdienst, Ortsstelle Trieben
Bericht von Stefan Schröck, Gebietsleiter Gebiet Liezen

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Eine Vierköpfige Schitourengruppe stieg am Sonntag den 09.02.2014 von Oppenberg, über die „Rieden“ zum Gipfel des Hochgrössen auf. Ein Mann und eine Dame der Gruppe hatten keine Notfallausrüstung (LVS, Schaufel, Sonde) bei sich. Der Lawinenlagebericht für diesen Tag wurde mit der Warnstufe 2 bis 1800 mH und Warnstufe 3 ab 1800 mH ausgerufen. Den ganzen Tag schneite es unter Einfluss von sehr starkem Wind aus wechselnden Richtungen.

 

 

 

 

Bei der Abfahrt querte die Gruppe in Einzelfahrt eine steile Rinne, wobei die Junge Dame als Letzte die Querung ansetzte. Oberhalb der Gruppe löste sich schließlich ein Schneebrett, welches die Dame in die 400 m lange, steile und drehende Rinne mitriss. Die Begleiter begannen eine Suche, welche sich aufgrund des fehlenden LVS jedoch als schwierig gestaltete. Gleichzeitig wurde ein Notruf abgesetzt. 

 

 

 

Planmäßiger Lawineneinsatz
Die Landeswarnzentrale Steiermark alarmierte schließlich das Gebiet Liezen und die Lawinenhundestaffel der steirischen Bergrettung. Ein Einsatz eines Hubschraubers schien zu diesem Zeitpunkt aufgrund des Schlechtwetters nicht möglich.
Die Ortsstelle Rottenmann errichtete im Gasthof Schaffer in Oppenberg eine Einsatzleitung unter Basis – Einsatzleiter OL Dieter Gassner und dem Leiter der AEG Liezen Christian Huber. Ein Voraustrupp der Ortsstelle Rottenmann wurde ebenfalls sofort auf den langen Zustieg entsendet.

 

 

Da sich die Wettersituation in Oppenberg etwas besserte konnte schließlich ein Hubschrauber des Österreichischen Bundesheeres der Kaserne Aigen nach Oppenberg fliegen.

 

 

 

Die Crew der Alouette III nahm Einsatzleiter GL Stefan Schröck, Hundeführer Walter Flatscher und Bergführer Paul Sodamin an Bord, um zu versuchen in die Nähe des Lawinenkegels zu gelangen. Bei widrigsten Wetterbedingungen gelang es schließlich auf einer Hochebene eine Außenlandung durchzuführen. Die heikle Lawinensituation wurde beurteilt und ein Einsatz in der Rinne erschien als vertretbar.
Während nun laufend weitere Bergretter mit planmäßigem Bergrettungsgerät auf die Lawinen geflogen wurden, startete gleichzeitig eine große Gruppe mit den Tourenschiern vom Tal aus, da unklar war ob weitere Flüge möglich waren.
Am Lawinenkegel wurde die erste Sondierkette gebildet und Hundeführer Flatscher schickte seinen „Eyck“ zur Suche. Nur einige Minuten später hatte Eyck bereits einen Treffer zu melden und nach Kontrolle mit der Sonde war dies auch Gewissheit.
Die vermisste Dame wurde in 170 cm Tiefe von Bergrettern ausgegraben und der anwesende Bergrettungsarzt Dr. Christian Brückler konnte nur mehr den Tod der Alinistin feststellen.
Der Hubschrauber des Bundesheeres flog die Leiche schließlich ins Tal. Einer der Begleiter wurde vom Christophorus 14 Hubschrauber von der Unglücksstelle geflogen, die zwei weiteren Begleiter wurden von der Bergrettung ins Tal gebracht. Alle drei Tourenpartner wurden von den Teams der Krisenintervention des Roten Kreuzes und des Landes Steiermark betreut.

 

 

 

Am Einsatz beteiligt waren 69 Bergretter (davon 9 Lawinenhundeführer), 7 Mitglieder der
AEG Liezen, 1 Alouette III des BMLV, 1 Notarzt Hubschrauber des ÖAMTC, KIT Team Rotes
Kreuz, KIT Team Land Steiermark, 3 Privatpersonen (Mannschaftstransport).
Für Fragen und Informationen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung!
Berg Heil!
Stefan Schröck
Gebietsleiter Gebiet Liezen

Mehr Fotos in der Fotogalerie©Sodamin 

 

Lawinenunfall Oppenberg am 9.Feber 2014 von Paul Sodamin Ich war gestern mit dem Hubschrauber als erster vor Ort und habe mir wie immer bei solchen Unfällen, die ich schon mehr als 25 Jahre intensiv aufbereite, Gedanken gemacht:   

 

Warum ist das passiert? Welche Route? Ausbildung? Lawinenstufe? Wetter? Gruppe....? So tragisch jeder einzelne Unfall ist, so hat er auch immer eine Entstehungsgeschichte. Eine genaue Analyse bietet  die Chance, daraus zu lernen und dient nicht dem Verteufeln der Verunfallten, die jetzt ohnedies traumatisiert sind! Bei diesem Unfall war nicht der steile Grashang  schuld, sondern vielmehr das unpassende Tourenziel bzw. der Schneedeckenaufbau in diesem Gebiet. Am Vortag hatte es gestürmt, mit Windspitzen über 80km/h. Diese Gruppe mit 3 Männern und 1 Frau war sehr schlecht ausgerüstet: 2 Personen hatten kein VS-Gerät, keine Schaufel und keine Sonde!! Sie sind bei widrigen Bedingungen,  starkem Schneefall, Nebel und  starkem Wind aufgestiegen. Die Hangsteilheit bei der Querung : 35°-40°  ( 2 Rinnen ) Nachdem ich mich schon sehr lange mit der schwierigen Materie >Lawinen< intensiv beschäftige, habe ich für mich einen Grundsatz definiert: Man braucht auch Glück:  95% der Lawinenunfälle sind selbst verschuldet und 5% bleiben  Restrisiko!

©Paul Sodamin 

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